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Labor
Quick-Wert / INR
Bei Patienten mit Antikoagulation durch Coumarine (z.B. Marcumar (R)), war bisher der
Quick-Wert das Maß zur Kontrolle der Wirkung und damit auch die Grundlage
der Dosierung. Nun ist eine neue Größe INR (international normalized ratio) vorgeschlagen
worden.
Der Quick-Wert hängt nicht nur von der Phenprocoumon-(Marcumar)-Dosis und den zum Teil
individualspezifischen Stoffwechselwirkungen dieser Substanz, sondern auch von der Art und
der Charge des bei der Messung verwendeten Thromboplastins ab.
Diese Abhängigkeit vom Thromboplastin-Reagenz führt; dazu, daß bei ein und
demselben Patienten zu einem bestimmten Zeitpunkt in verschiedenen Laboratorien, in denen
unterschiedliche Thromboplastin-Reagenzien verwendet werden, auch voneinander abweichende
Quick-Werte gemessen werden. Dabei sind in Abhängigkeit von der jeweiligen
Empfindlichkeit des Thromboplastins erhebliche Unterschiede möglich: So ist zum Beispiel
denkbar, daß mit Reagenz A ein Quick-Wert von 16 %, mit Reagenz B ein solcher von 24 %
und mit Reagenz C ein Wert von 35 % bestimmt wird. Daraus wird deutlich, daß die
Thromboplastinzeit- bzw. Quick-Wert-Bestimmung dringend einer Standardisierung bedarf,
um eine Überbehandlung (Blutungsgefahr!) bzw. eine Untertherapie (Thromboembolierisiko!)
mit oralen Antikoagulanzien zu vermeiden.
Mit Einführung der INR ist eine derartige Standardisierung möglich. Konkret
bedeutet dies, daß die Quick-Werte, die mit den oben genannten fiktiven
kommerziellen Thromboplastin-Reagenzien A, B und C gemessen wurden, auf einen einheitlichen
INR-Wert umgerechnet werden können. Die Umrechnung geschieht anhand von leicht
handhabbaren Tabellen, die die Thromboplastinhersteller den Laboratorien zur Verfügung
stellen. Damit ist es heute jedem Laboratorium möglich, neben der Thromboplastinzeit
bzw. dem Quick-Wert, auch die INR anzugeben.
Aus dem Gesagten wird deutlich, daß die Angabe des Quick-Wertes allein veraltet ist
und keine Alternative zur Angabe der INR darstellt. Eine Umstellung auf dieses
Meßsystem sollte schon im Interesse der Sicherheit der Patienten (Blutungs- bzw.
Thromboembolierisiko, siehe oben) erfolgen.
Um das Problembewußtsein und die
Fähigkeit mit dem neuen Meßsystem umzugehen, zu fördern, ist es sinnvoll,
zumindestens in einer Übergangszeit, sowohl INR als auch Quick-Werte in den
Antikoagulanzien-Paß einzutragen.
Im Gegensatz zum Quick-Wert, der in Prozent, bzw. zur Thromboplastinzeit, die in Sekunden
angegeben wird, ist der INR-Wert eine Zahl ohne Einheit. Er wird errechnet nach der Formel
Thromboplastinzeit (Patientenplasma)
INR = -----------------------------------------
Thromboplastinzeit (Kontrollplasma)
Dabei ist ISI die Abkürzung für International Sensitivity Index', ein Faktor,
der eine Umrechnung auf die INR ermöglicht. Er ist spezifisch für ein bestimmtes
Thromboplastin-Reagenz bzw. dessen Charge. Seine Berechnung erfolgt durch die
Thromboplastin-Hersteller durch Kalibrierung des Herstellerthromboplastins
am WHO-Referenz-Thromboplastin.
Die Zielbereiche für die Intensität einer Therapie mit oralen Antikoagulanzien
sind nur durch die INR ausreichend definiert. Ein niedriger INR-Wert bedeutet eine schwache,
ein hoher INR-Wert eine starke Antikoagulation.
Von den internationalen Fachgesellschaften werden heute im wesentlichen 2 Therapiebereiche
empfohlen: INR 2,0 bis 3,0 und INR 3,0 bis 4,5. Die geringere Antikoagulationsintensität
(INR 2,0 bis 3,0) ist ausreichend bei der Behandlung akuter tiefer Venenthrombosen, zur
Thromboembolieprophylaxe bei Vorhofflimmern im Rahmen nichtrheumatischer Herzerkrankungen
(das heißt ohne Herzklappenfehler) und nach Implantation von Herzklappen-Bioprothesen
(während der ersten 3 Monate).
Aber auch für eine ganze Reihe anderer Indikationen wird heute überwiegend
dieser Therapiebereich empfohlen. Bei mechanischen Herzklappen wird jedoch nach wie
vor von den meisten Fachgesellschaften eine INR von 3,0 bis 4,5 favorisiert.
Prospektive Studien werden klären, ob im Bereich der mechanischen Herzklappen
bzw. auch bei anderen Indikationen, eine noch differenziertere Abstufung der
Therapieintensität mit oralen Antikagulanzien möglich sein wird.