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Dr. med. Johann C. Ragg
Krampfadern, Besenreiser, Venenschwäche: Mehr über mein Therapiekonzept…
Sommer-Therapie 2011
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Quick-Wert / INR

Bei Patienten mit Antikoagulation durch Coumarine (z.B. Marcumar (R)), war bisher der Quick-Wert das Maß zur Kontrolle der Wirkung und damit auch die Grundlage der Dosierung. Nun ist eine neue Größe INR (international normalized ratio) vorgeschlagen worden.

Der Quick-Wert hängt nicht nur von der Phenprocoumon-(Marcumar)-Dosis und den zum Teil individualspezifischen Stoffwechselwirkungen dieser Substanz, sondern auch von der Art und der Charge des bei der Messung verwendeten Thromboplastins ab.
Diese Abhängigkeit vom Thromboplastin-Reagenz führt; dazu, daß bei ein und demselben Patienten zu einem bestimmten Zeitpunkt in verschiedenen Laboratorien, in denen unterschiedliche Thromboplastin-Reagenzien verwendet werden, auch voneinander abweichende Quick-Werte gemessen werden. Dabei sind in Abhängigkeit von der jeweiligen Empfindlichkeit des Thromboplastins erhebliche Unterschiede möglich: So ist zum Beispiel denkbar, daß mit Reagenz A ein Quick-Wert von 16 %, mit Reagenz B ein solcher von 24 % und mit Reagenz C ein Wert von 35 % bestimmt wird. Daraus wird deutlich, daß die Thromboplastinzeit- bzw. Quick-Wert-Bestimmung dringend einer Standardisierung bedarf, um eine Überbehandlung (Blutungsgefahr!) bzw. eine Untertherapie (Thromboembolierisiko!) mit oralen Antikoagulanzien zu vermeiden.

Mit Einführung der INR ist eine derartige Standardisierung möglich. Konkret bedeutet dies, daß die Quick-Werte, die mit den oben genannten fiktiven kommerziellen Thromboplastin-Reagenzien A, B und C gemessen wurden, auf einen einheitlichen INR-Wert umgerechnet werden können. Die Umrechnung geschieht anhand von leicht handhabbaren Tabellen, die die Thromboplastinhersteller den Laboratorien zur Verfügung stellen. Damit ist es heute jedem Laboratorium möglich, neben der Thromboplastinzeit bzw. dem Quick-Wert, auch die INR anzugeben.
Aus dem Gesagten wird deutlich, daß die Angabe des Quick-Wertes allein veraltet ist und keine Alternative zur Angabe der INR darstellt. Eine Umstellung auf dieses Meßsystem sollte schon im Interesse der Sicherheit der Patienten (Blutungs- bzw. Thromboembolierisiko, siehe oben) erfolgen.

Um das Problembewußtsein und die Fähigkeit mit dem neuen Meßsystem umzugehen, zu fördern, ist es sinnvoll, zumindestens in einer Übergangszeit, sowohl INR als auch Quick-Werte in den Antikoagulanzien-Paß einzutragen. Im Gegensatz zum Quick-Wert, der in Prozent, bzw. zur Thromboplastinzeit, die in Sekunden angegeben wird, ist der INR-Wert eine Zahl ohne Einheit. Er wird errechnet nach der Formel

        Thromboplastinzeit (Patientenplasma)
INR =   -----------------------------------------
        Thromboplastinzeit (Kontrollplasma)
Dabei ist ISI die Abkürzung für International Sensitivity Index', ein Faktor, der eine Umrechnung auf die INR ermöglicht. Er ist spezifisch für ein bestimmtes Thromboplastin-Reagenz bzw. dessen Charge. Seine Berechnung erfolgt durch die Thromboplastin-Hersteller durch Kalibrierung des Herstellerthromboplastins am WHO-Referenz-Thromboplastin. Die Zielbereiche für die Intensität einer Therapie mit oralen Antikoagulanzien sind nur durch die INR ausreichend definiert. Ein niedriger INR-Wert bedeutet eine schwache, ein hoher INR-Wert eine starke Antikoagulation.

Von den internationalen Fachgesellschaften werden heute im wesentlichen 2 Therapiebereiche empfohlen: INR 2,0 bis 3,0 und INR 3,0 bis 4,5. Die geringere Antikoagulationsintensität (INR 2,0 bis 3,0) ist ausreichend bei der Behandlung akuter tiefer Venenthrombosen, zur Thromboembolieprophylaxe bei Vorhofflimmern im Rahmen nichtrheumatischer Herzerkrankungen (das heißt ohne Herzklappenfehler) und nach Implantation von Herzklappen-Bioprothesen (während der ersten 3 Monate).
Aber auch für eine ganze Reihe anderer Indikationen wird heute überwiegend dieser Therapiebereich empfohlen. Bei mechanischen Herzklappen wird jedoch nach wie vor von den meisten Fachgesellschaften eine INR von 3,0 bis 4,5 favorisiert. Prospektive Studien werden klären, ob im Bereich der mechanischen Herzklappen bzw. auch bei anderen Indikationen, eine noch differenziertere Abstufung der Therapieintensität mit oralen Antikagulanzien möglich sein wird.

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