Krampfadern - welche Behandlung ist die beste?
von Dr. med. J. C. Ragg, Berlin (Fortsetzung)
Wenn Sie die Fragestellung einer bestmöglichen Behandlung für Krampfadern und Venenschwäche interessiert, folgen Sie mir bitte bei diesen Gedanken, die meine Arbeit prägen:
Die optimale Behandlung ist die, die alle Erfordernisse der Medizin und zugleich die Wünsche des Patienten erfüllt.
Die Medizin kennt 3 Ziele:
- Ausschalten der Krankheitsursachen
- Ausheilen der Krankheitsfolgen
- Vorsorge vor dem (erneuten) Auftreten einer Erkrankung
Die Methoden sollen wirksam sein, keine unerwünschten Nebenwirkungen haben und beständige Resultate liefern. Das allein ist schon anspruchsvoll.
Aus Patientensicht kommen jedoch noch eine Reihe weiterer Wünsche hinzu:
- Bequeme und schmerzfreie Behandlung
- Kein Krankenhausaufenthalt, keine Narkose
- Sofortige Arbeits- und Sporttauglichkeit
- keine Schmerzmittel, keine Thrombosespritzen
- Überzeugendes kosmetisches Ergebnis
Diese Anforderungen wurden in der Krampfaderbehandlung in der Vergangenheit von keiner Methode auch nur annähernd erfüllt.
Was ist das vorrangige, das medizinische Problem? Bei einer Venenschwäche kehrt das Blut seine natürliche Flussrichtung um, weil Klappen und Venenspannung nicht mehr oder nicht mehr ausreichend funktionieren. Teile des Venenblutes gelangen nicht mehr zum Herzen, sondern stauen sich im Bein. Die Stauung überlastet weitere Venenabschnitte, und ein jahrelanger Teufelskreis beginnt.
Erster Schritt: Eine exakte Analyse der Beinvenen. Es genügt nicht, krankhafte Abschnitte zu identifizieren. Vielmehr muss das gesamte tiefe und oberflächliche Venensystem einer Extremität verstanden werden - und das in Ruhe und unter verschiedenen alltagsähnlichen Belastungen. Wir haben hierzu eine dynamische Triplex - Farbsonographie entwickelt. Wo liegen die Ursprünge der Erkrankung? Welches sind rückbildungsfähige, welches nicht mehr rückbildungsfähigen Venenerweiterungen? Wie wirkt sich ein Eingriff aus, werden benachbarte Venen entlastet oder belastet? Die dynamische Venenanalyse des angioclinic® - Venenchecks kann darauf Antworten geben und ist somit ein einzigartiger Schlüssel zur richtigen Therapieempfehlung.
Zweiter Schritt: Der Blutfluss muss wieder in die richtige Richtung (zum Herzen hin) gelenkt werden. Mit anderen Worten: Das Rückwärtsfließen muss verhindert werden.
Dazu gibt es folgende Möglichkeiten:
- die Entfernung der gesamten (Sammel-) Vene (z.B. Stripping)
- Entfernung nur des erkrankten Abschnittes (z.B. „stadienrelatives“ Stripping)
- die Stillegung nur des erkrankten Abschnittes (Laser, Radiowelle, Dampf, Mikroschaum)
- Unterbindung genau dort, wo der Rückfluss beginnt (CHIVA)
- die Korrektur defekter Klappen mittels Manschette (extravasale Valvuloplastie)
- die Implantation künstlicher Klappen
- Kompressionsstrümpfe
- Venensport
- Medikamente („Venotonika“)
Das früher routinemäßig angewandte Totalstripping (A) ist ein völlig überholter, unangemessen großer und risikoreicher Eingriff und darf, da es keinen Vorteil bietet, eigentlich nicht mehr durchgeführt werden. Vorsicht, manche Chirurgen setzen diese Methode immer noch kritiklos ein und entfernen Venenabschnitte, die noch gesund sind oder problemlos erhalten werden könnten! Ein Hinweis auf mögliche veraltete Methoden ist der Verzicht auf Ultraschall, Ultraschall im Liegen oder eine 5-Minuten –Untersuchung.
Das stadienrelative Stripping (B) mit teilweiser Entfernung der Stammvene ist immer noch die heutige kassenmedizinische Standardmethode. Diese Methode ist zwar technisch zulässig (Beseitigung der Vene in 99% d. F.). Sie ist aber medizinisch überflüssig, weil das gleiche oder ein besseres Ergebnis auch viel schonender und risikoärmer herbeigeführt werden kann (C). Auch Riesenvenen müssen heute nicht mehr gestrippt oder chirurgisch entfernt werden. Wir haben in den letzten Jahren keinen einzigen Fall gesehen, der eine herkömmliche Venenoperation gebraucht hätte.
Venenlaser (z.B. ELVes®, ELT®), Radiowelle (CELON®, VNUS®) oder Dampfkatheter (Steam Vein Sclerosis®) (C) sind Methoden, die nur im Inneren des Gefäßes wirken und daher keinen Schnitt (sehr risikoarm, sehr komfortabel) und keine Narkose (nur lokale Betäubung) benötigen. Mit Mikroschaum auf Basis von Aethoxysklerol® können auch sehr gewundene und verzweigte Krampfadern gezielt stillgelegt werden, die mit steifen Kathetersystemen nicht direkt erreichbar sind. Gute Phlebologen beherrschen alle diese neuen Werkzeuge und setzen sie kombiniert ein.
Die CHIVA-Methode (D) ist eine wirksame Methode, um punktgenau und mit minimalem Eingriff (ultraschallmarkiert, lokale Betäubung) den Rückfluss von Venenblut zu verhindern und gleichzeitig die Sammelvenen (oder Seitenäste) weitgehend zu erhalten. Traditionell wurde CHIVA gefässchirurgisch, also mit Schnitt und Naht ausgeführt. Diesen Nachteil umgeht man, indem man die Unterbindung mittels Venenlaser vornimmt. Damit ist „CHIVA – Laser“ die erste Wahl, wenn es um größtmögliche Schonung des Venensystems und gleichzeitige Normalisierung des venösen Blutstromes geht. Leider ist nur ein Teil der Venenbefunde für diese Technik geeignet, wenn es um dauerhafte Ergebnisse geht.
Die Verengung überdehnter Klappezonen durch eine angepasste äußere Hülle (E) ist in der Theorie elegant (Erhalt aller Venen, Korrektur des Flusses), aber erfordert eine umfassende Operation und funktioniert häufig nicht oder nicht auf Dauer.
Die Implantation neuer Klappen (F) ist eine gute und möglicherweise zukunftsträchtige Idee, aber derzeit noch experimentell. Die Anwendung ist auf insuffiziente tiefe Beinvenen in schwersten Stadien begrenzt.
Kompressionsstrümpfe (G) können nur leichte Venenschäden ausgleichen. Es spricht nichts dagegen, dass Patienten mit Stehberufen Kompressionsstrümpfe tragen, im Gegenteil! Kompressionsstrümpfe ersetzen aber nicht eine auf die Ursache zielende Therapie (C).
Venensport (H) meint nicht „auf den Rücken legen und mit den Füßen wackeln“, sondern einen gezielten Aufbau und Nutzung von Beinmuskeln zur Kräftigung der Venenmuskelpumpe. Damit lassen sich manchmal frühe Formen der Venenschwäche normalisieren. Den Versuch ist es sehr oft wert, da es auch eine sinnvolle Maßnahme zur Vorbeugung darstellt.
Medikamente (I), meist mit Bestandteilen aus Weinlaub oder Rosskastanien, können in leichten Fällen Beschwerden lindern und Wassereinlagerungen vermindern und sind hierfür durchaus sinnvoll. Gegen Krampfadern helfen sie nicht.
Schaut man alle diese Möglichkeiten an, so erzielt das Sortiment der neuen Verfahren (C) die besten und wichtigsten Ergebnisse. Probleme der Chirurgie wie Narben, Blutungen, Schwellungen und Nervenschädigungen gehören der Vergangenheit an!
Damit ändert sich das ganze Bild der Erkrankung, es verliert seine Bedrohlichkeit. Die Venenschwäche ist nichts als eine Folge ständiger Überlastung, in diesem Fall durch Stehen und Sitzen, ganz genau so wie Karies eine Folge von zuviel Süßkram ist. Wenn das so ist, dann kann man Krampfadern zu 100% vermeiden – und genau das haben wir mit den Maßnahmen der Früherkennung, der gezielten venenschonenden Mikro - Eingriffe und der Vorsorgemaßnahmen schrittweise umgesetzt.
Die große Konsequenz der Umstellung auf nicht-operative Verfahren war uns bereits im Jahr 2000 klar, als wir die Spezialisierung auf ausschließlich diese modernen Therapieformen beschlossen. Seither führten wir mehr als 30.000 operationsersetzende Eingriffe durch, und ALLE waren medizinisch erfolgreich. Das ist also schon „ein alter Hut“. Auch die Langzeitergebnisse (angioclinic® - Venenlaser nach 8 Jahren: 94 – 100%) deklassieren die Chirurgie.
Wir haben bereits seit langem in unseren Venenzentren die 100% schmerzfreien Verfahren, wir haben die „Sofort-fit“ – Garantie, wir haben den Totalverzicht auf Chirurgie und Narkose mit ihren Risiken. Wir haben die Entbehrlichkeit von Schmerzmitteln und Heparinspritzen. Unsere heutige Forschung gilt fast ausschließlich den Wünschen der Patienten, zum Beispiel dem kosmetischen Ergebnis. So ist es immer noch nahezu unmöglich, eine komplette Venenbehandlung von Stammvenen bis Besenreisern in einer einzigen Sitzung durchzuführen. Es ist unmöglich, Besenreiser in Sekunden für immer verschwinden zu lassen. Oder doch nicht? Die Wahrheit ist: Es ist NOCH nicht möglich. Noch braucht es zum optischen Besenreiser - Erfolg einige Wochen Geduld.
Mehr zum Thema Venenleiden erfahren Sie in unseren regelmäßigen Informationsveranstaltungen, auf weiteren Internetseiten oder im persönlichen Gespräch.
Ihr Dr. med. Johann C. Ragg
Ärztlicher Leiter der angioclinic® - Venenzentren