Mit der "Radiowellen-Therapie" befinden sich gleich zwei neuartige Verfahren
in der klinischen Erprobung:
"Restore - Therapie"
Es wird ein spezieller Venenkatheter (dünnes schlauchförmiges Gerät) zumeist
unterhalb des Knies in die erkrankte Vene eingeführt und in Richtung Leiste
bewegt. Am Ziel angelangt, wird die Spitze des Katheters - eine wärmeleitende
Elektrode - so weit gespreizt, daß sie die Venenwände erreicht. Mit Hilfe von
Radiowellen, die ein Hochfrequenzgenerator erzeugt, kann die Venenwand jetzt auf
70 bis 76 Grad erwärmt werden, ohne umliegendes Gewebe zu schädigen. Sie zieht
sich zusammen und schrumpft auf eine exakt vorherbestimmte Größe - mit dem
Effekt, daß auch die ausgeleierten Venenklappen wieder schließen und somit ihre
Aufgaben wahrnehmen können. Der Erfolg der "Wiederherstellung" (engl. to restore
= wiederherstellen) ist allerdings nur in einem kleinen Teil der Fälle
erzielbar.
"Closure - Therapie"
Patienten mit geschädigten Venen, deren Funktion nicht mehr wiederherzustellen
ist, kann ebenfalls mit der Radiowellen-Therapie geholfen werden. Hier wird der
gespreizte Katheter auf 85 Grad erhitzt, was zu einer maximalen Venenschrumpfung
führt. Zieht der Arzt den Katheter nun langsam zurück, wird die Vene auf voller
Länge erhitzt und zieht sich zusammen wie ein Reißverschluß. Sie ist nun
stillgelegt, muß aber nicht mehr operativ entfernt werden.
Die Behandlung ist bei beiden Methoden risikoarm und schonend, weil nur ein
kleiner Schnitt angebracht werden muß. Die Behandlung dauert etwa 30 Minuten
(zuzüglich Vor- und Nachbereitung). Fast immer genügt eine örtliche Betäubung.
Bereits am nächsten Tag kann man die Klinik verlassen. Das Tragen eines
Kompressionsstrumpfes ist für zumindest 6 Wochen anzuraten.
Während die Restore - Methode in der Theorie interessant ist, aber nur
unzuverlässig funktioniert, ist die Closure - Methode kein Ideal. Bei der venen-
und funktionserhaltenden CHIVA - Methode gilt der versehentliche Verschluss der
behandelten Vene als "Fehler" - hier soll er ein Erfolg sein. Richtig ist, daß
erhebliche Vorteile gegenüber einem Stripping bestehen - dafür schlagen aber
höhere Geräte- und Materalkosten zu Buche.