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Dr. med. Johann C. Ragg
Krampfadern, Besenreiser, Venenschwäche: Mehr über mein Therapiekonzept…
Frühjahrs-Venencheck 2012
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Venengesundheit

Krampfadertherapie: CHIVA-Methode - Patienteninformation

Basiswissen 1: Normale Venenfunktion

Die Venen haben die Aufgabe, sauerstoffarmes Blut aus Organen und Muskeln wieder zurück zu Herz und Lunge zu transportieren. Das Blut aus den Beinen muß dabei beim stehenden Menschen gegen die Schwerkraft "hochgepumpt" werden. Der Körper leistet dies durch die "Muskelpumpe" - die Muskeln werden bei ihrer Betätigung "dicker" und "pressen" die Venen aus. Ein Zurückfliessen des Blutes wird durch die Venenklappen verhindert, die das Blut ventilartig nur in einer Richtung (herzwärts) durchlassen.

Am Bein gibt es zwei große oberflächliche Venen, die das Blut an der Innenseite des Oberschenkels (Vena saphena magna) und an der Hinter- bis Außenseite des Unterschenkels (Vena saphena parva) aus wenigen großen und unzähligen kleinen Seiten-, Haut- und Muskelästen sammeln. Tief im Gewebe, in der Nähe der Knochen, verlaufen die "tiefen" Beinvenen, z.B. die Knie- und Oberschenkelvene (Vena poplitea, Vena femoralis). Das tiefe und das oberflächliche Venensystem sind vielfach verbunden: Die Vena saphena parva mündet in die tief unter der Haut liegende Knievene (Vena poplitea), und die Vena saphena magna mündet in der Leistenregion in die ebenfalls tief unter der Haut liegende gemeinsame Oberschenkelvene (Vena femoralis communis). Außerdem bringen muskeldurchquerende Verbindungsvenen ("Perforansvenen") Blut vom oberflächlichen ins tiefe Venensystem.

Siehe auch folgende ausführliche Informationen über Krampfadern (Varikosis)

Basiswissen 2: Wie entstehen Venenerkrankungen wie Krampfadern (Varikosis) und "Venenschwäche " (venöse Insuffizienz)?

Eine Venenerkrankung entsteht, wenn Klappenfunktion und Blutfüllung einer Vene nicht mehr zum "richtigen" Bluttransport ausreichen. Eine defekte Venenklappe (z.B. nach einer Entzündung oder Thrombose - oder auch angeboren) läßt Blut "rückwärts" fliessen, so daß es sich staut. Es kann aber auch die Menge des andrängenden Blutes dazu führen, daß der Durchmesser des Blutgefäßes so gedehnt wird, daß die Klappen nicht mehr richtig schließen können. Beide Veränderungen gehen meist Hand in Hand, so daß nicht mehr zu klären ist, welcher Fehler zuerst da war (die Henne oder das Ei?). Es resultiert jedenfalls ein Stau von sauerstoffarmem Blut in den Beinvenen. Anstatt zum Herzen gepumpt zu werden, "schwappt" das Blut nur hin und her, oder häufiger noch, es "fließt im Kreis". Der Arzt nennt dies "Rezirkulation". Der krankhafte Kreisverkehr verhindert, daß das Bein entlastet und das Blut schnell wieder mit Nähr- und Sauerstoff angereichert wird.

Das Unvermögen des Körpers, einen herzwärts gerichteten venösen Blutstrom im Stehen zu gewährleisten, nennt man venöse Insuffizienz. Dies heißt wörtlich "Venenschwäche".

Die Stauung und der erhöhte Venendruck kann dazu führen, daß besonders betroffene Venen sich erweitern und typischerweise in vielfache Kurven legen. Diese nennt man dann Krampfadern, oder auch Varikose bzw. Varikosis. Das Wort hat übrigens nichts mit Wadenkrämpfen (die kommen meist von Störungen im Mineralstoffwechsel) zu tun.

Am häufigsten erkranken die Klappen in der Mündung der Vena saphena magna (Leiste), die häufigsten Krampfadern sind erweiterte Seitenäste dieser Vene.

Was bedeutet "CHIVA"?

Die CHIVA - Methode ist ein Behandlungsverfahren zur "Korrektur des fehlgerichteten Venenflusses der Beine und seiner Folgen", wie es genau definiert heißt. Auf gut Deutsch geht es um Krampfadern und die "Venenschwäche" - Stauungen infolge defekter Venenklappen.

Das merkwürdige Wort stammt aus dem Französischen (siehe auch "Historie") und bezeichnet nichts anderes als die cure hémodynamique conservatrice de l´insuffisance veneuse en ambulatoire - Akronym: CHIVA.

Es handelt sich demnach um ein Heilverfahren (cure), mit welchem blutfluss- (hémodynamique) und organerhaltend (conservatrice) die Behandlung der Venenschwäche (l ´insuffisance veneuse), und zwar ambulant (en ambulatoire - ohne Krankenhausaufenthalt) geleistet werden kann.

Das klingt ein wenig kompliziert, ist aber ganz einfach. Anstatt die ganze Vene mit allen erkrankten und gesunden Teilen herauszureißen (Stripping) oder mit giftigen Substanzen abzutöten (Verödung) werden einfach nur die wenigen eigentlichen Problemstellen behandelt. Die Vene bleibt erhalten, und sie kann auch wieder Blut in die richtige Richtung bringen. Und weil dazu nur ganz kleine Eingriffe notwendig sind, braucht man in der Regel keinen Krankenhausaufenthalt...

Sind Krampfadern ohne Operation heilbar?

Die klare Antwort war bisher "nein", denn die älteren nichtoperativen Verfahren konnten allenfalls lindern. Kennen sollte man die traditionellen "konservativen Verfahren" dennoch:

Eine Kompressionsbehandlung - heute meist mit speziellen, elastischen Strümpfen oder einer Strumpfhose bewerkstelligt - dient dem Zweck, krankhaft erweiterte Venen zu stützen oder im Idealfall etwas zu verkleinern und das Gewebe zu entlasten. Es ist eine Behandlungsform für venöse Erkrankungen, bei denen noch kein Grund für eine Operation besteht oder diese nicht durchführbar ist, sowie als Begleitmaßnahme nach einer Operation.

Wenn sich venöses Blut staut, kann es auch zu einer Stauung von Lymphflüssigkeit kommen. Diese kann durch Lymphdrainage, einer besonderen Massageform, vermindert werden.Die Wirkung hält aber nicht dauerhaft an.

Venensalben und venenwirksame Medikamente (z.B. Extrakte aus Weinlaub oder Roßkastanien) können die Beschwerden bei milden Formen der Venenschwäche lindern, ernsthaft veränderte Venenflüsse sind auf diese Weise leider nicht mehr zu korrigieren.

Neuerdings kann man aber durchaus auch schwere Krankheitsstadien ganz ohne Operation heilen: Mit dem Venenlaser und Mikroschaum. Der Laser ersetzt das Stripping vollkommen und ist die beste nicht-operative Methode mit herausragenden Langzeitergebnissen. Die Mikroschaum - Methode hilft bei netzförmigen oder sehr gewundenen Krampfadern. Es geht also doch!

Operative Verfahren

Das Stripping nach BABCOCK - ein nahezu 100 Jahre altes Verfahren! - ist bis heute das Standardverfahren in der Krampfaderbehandlung gewesen. Hierbei wird mit einem stetig verbesserten Instrumentarium die erkrankte Vene möglichst vollständig entfernt. Es sind sowohl recht grobe Techniken (die eher mit "Herausreißen" übersetzt werden müßten) als auch moderne, schonendere Varianten, z.B. mit video-kontrollierter Seitenastdurchtrennung oder die "Gefriertechnik" ("Kryo-Stripping": eine Sonde wird so rasch gekühlt, daß die Vene anfriert und als Ganzes herausgezogen werden kann, bevor das umgebende Gewebe reagiert) im Einsatz. In der Regel ist eine Voll- oder Rückenmarksnarkose notwendig.
Trotz verfeinerter Techniken entsteht eine "meterlange" Wundfläche mit inneren Narben. In jedem Fall werden auch alle Seitenäste zerstört und der natürliche Blutstrom so erheblich verändert, daß für den Körper ein Reiz zum Bilden neuer Venen und somit neuer Krampfadern besteht. Das Risiko einer Beschädigung von Lymphgefässen (Folge: Schwellung, Ödem) oder Nerven (Folge: Empfindungsstörung bis Lähmung) ist relativ hoch.

Kleinere Venen (Seitenäste) und Gefäßknäuel ("Konvolute") können mittels Venenexhairese ("Herausziehen" ohne Sonde) beseitigt werden.

Große Gefäßknäuel, die oft aufgrund ihrer Verklebungen schlecht mit Stripping oder Häkelmethoden zu entfernen sind, können mit dem Trivex - Verfahren behandelt werden. Hierbei werden in umfassender Betäubung Krampfadern mit einem röhrenartigen Apparat durch einen winzigen Hautschnitt abgesaugt. Die Krampfaderentfernung ist zuverlässig, die Steuerung aber schlechter als bei ultraschallbasierenden Verfahren. Blutergüsse sind häufig. Das kosmetische Ergebnis ist nach einigen Wochen meist sehr gut.

Die extraluminale Valvuloplastie ist schon fast eine "Außenseitermethode", bei der nach Ultraschall - Voruntersuchung der kranke Venenklappenbereich umwickelt und soweit verengt wird, bis die Klappen wieder schließen. Der Erfolg kann mit Ultraschall kontrolliert werden. Gut ist die Erhaltung des gesamten Venensystems, auch des zuvor erkrankten Klappenapparates. Ein operativer Eingriff bleibt es aber dennoch. Die Dauerhaftigkeit der Korrektur scheint nach gegenwärtigen Daten schlechter zu sein als bei anderen Verfahren.

Die chirurgischen Verfahren haben keine Zukunft mehr. Nahezu alle Fälle, auch schlimme Situationen nach früheren Operationen, können heute schon durch moderne Techniken (Laser, Chiva, Mikroschaum) hervorragend behandelt werden.

Wie funktioniert die CHIVA - Methode?

Nach einer umfassenden Analyse aller großen Venen sowie der Krampfadern einer Extremität im Ultraschallbild werden die Venen in der zu behandelnden Region auf der Haut angezeichnet. Durch ein oder wenige kleine Schnitte (Bild 4: Wadenbereich; in der Leistenregion ist der Einschnitt größer, weil die Venen tiefer liegen) werden die zu behandelnden Venen erreicht. Es werden chirurgische Unterbindungen (Ligaturen) angelegt, und die Vene gleitet in Ihr Bett zurück. Die Inzisionen werden verklebt (Bild 5), die etwas größeren Schnitte werden zusätzlich intrakutan (unter der Hautoberfläche, ohne sichtbaren Faden) vernäht. Die Folge: Der Blutfluss ird so korrigiert, daß keine krankhaften "Kreisläufe" mehr vorhanden sind, die Venen aber über die Nebenäste noch für den Bluttransport zur Verfügung stehen. In manchen anatomischen Situationen ist der Erfolg sofort sichtbar, manchmal dauert es 6-8 Wochen oder länger, bis die erkrankten Venen ihren Durchmesser vermindern und sich der gewünschte kosmetische Erfolg einstellt.

Ein CHIVA-erfahrener Arzt kann diese Vorgänge einschätzen und den Patienten so beraten, damit dessen Erwartungen hinsichtlich des kosmetischen Erfolges zu erfüllen sind.

Historie der CHIVA - Methode

Wenn sich ein Patient mit prallen Krampfadern hinlegt oder das Bein im Liegen anhebt, beobachtet man, daß das Blut rasch herausfließt und das Bein fast "normal" aussieht. Diese Beobachtung tätigten schon Ärzte in der Antike. Und im 17.Jahrhundern waren bereits etliche Methoden, denen das "Maltraitieren" der Venen gemeinsam war (Schneiden, Kneifen, Einbrennen, Verätzen...) bekannt (s. Bild).

Wäre es nicht möglich und besser, das "Zurückfließen" des Venenblutes dadurch zu verhindern, daß man nur den "Eingang" der kranken Vene verschließt, anstatt sie wie einen Feind zu behandeln und zu zerstören?

Die Idee, dies durch eine chirurgische Unterbindung zu versuchen, ist ca. 200 Jahre alt (Tomasso RIMA) und entstammt somit einer Epoche, in der jede Operation aus hygienischen Gründen lebensgefährlich war.

Der berühmte deutschen Arzt TRENDELENBURG griff die Idee vor ca. 100 Jahren auf und begann, die Vena saphena magna zur Krampfaderbehandlung zu unterbinden. Trotz der unsicheren Grundlage von Sicht- und Tastbefunden (wo man nur oberflächliche Befunde erkennen kann, nicht aber die sehr häufigen tieferliegenden Schäden ) erzielte er in einem Teil der Fälle verblüffende Erfolge - aber zu wenig, um die Methode dauerhaft zu etablieren. Über Jahrzehnte waren Methoden der radikalen Entfernung von Krampfadern ("Stripping") erfolgreicher, denn die Inkaufnahme des Organverlustes erbrachte wenigstens die vollständige Entfernung der Krampfadern. Das Problem der Provokation neuer Krampfadern durch das Stripping wurde damals noch nicht verstanden.

Erst mit der Entwicklung moderner Ultraschallgeräte gelang es, Venen nicht nur auch in der Tiefe des Gewebes sichtbar zu machen, sondern infolge der Doppler - Technik den venösen Fluss in allen Venen einer Extremität auch genau zu erfassen und zu vermessen. Das Potential der Ultraschalldiagnostik und die Idee der gezielten Gefäßligatur (Unterbindung) brachte den "Entdecker", den französischen Arzt CLAUDE FRANCESCHI zur Entwicklung der neuen Methode "CHIVA" und ihrer Erstpublikation im Jahr 1988.

Wissenschaftliche Arbeiten

Die CHIVA - Methode ist seit 1988 in vielfältigen wissenschaftlichen Studien untersucht worden (s. Literaturliste). Die größte Gefäßklinik Spaniens (Universität Barcelona) hat aufgrund der Ergebnisse bereits 1995 das Stripping verlassen und behandelt Krampfadern stattdessen mit der CHIVA - Methode. In Frankreich, Spanien und Italien ist die CHIVA - Methode eine wohlbekannte und häufig eingesetzte Alternative zum Stripping.

Kritisch muß man anmerken, daß Studien an neuen Medikamenten oder neuartigen Geräten mit viel mehr Finanzkraft ausgestattet werden (weil Firmen ein Geschäft erhoffen), und Wissenschaftler es aufgrund des Geldes mit ebensolchen Themen leichter haben, sich zu profilieren, als es bei der CHIVA - Methode möglich war.

Ein für die Wissenschaft erschwerendes Merkmal der CHIVA - Methode ist, daß man sie "gut" oder "schlecht" machen kann, d.h. die Erfahrung und das Können des ausführenden Arztes hat einen Einfluss - der ist aber nicht objektiv erfassbar. Es gibt jedoch eindeutige Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für CHIVA, die von speziell geschulten Ärzten befolgt werden.

Sehr ausführliche Informationen finden Sie auch auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für CHIVA.

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